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Die Sammlung Goetz im Haus der Kunst

Die nahende Weihnachtszeit lässt die Rate an neu beginnenden Ausstellungen deutlich sinken: Zeit also, sich einem Museumsbesuch zu widmen, für den man sich schon seit langem Zeit nehmen wollte. Ein guter Tipp wäre dafür „No Place like Home“, eine Ausstellung der Sammlung Goetz im Haus der Kunst, die nur noch bis in die erste Januarwoche zu sehen ist.

Zentral ist der Begriff des Zuhauses, der bei jedem Einzelnen ambivalente Gefühle weckt – es sind Vorstellungen von einem Ort, an dem man sich behütet fühlt, wo Traditionen gelebt werden und sich die Identität entfalten kann. Dabei ist es oftmals auch der Platz, an dem Machtkämpfe ausgetragen werden und einem unausgesprochene Feindseligkeiten das Leben schwer machen.
Die neunte Präsentation von Medienkunst aus der Sammlung Goetz zeigt 14 Arbeiten, die sich mit dem häuslichen Umfeld und den damit verbundenen Emotionen beschäftigen. Sie werden in den unterirdischen Kabinetten des ehemaligen Luftschutzkellers im Haus der Kunst gezeigt und thematisieren eine Vielzahl von innerfamiliären Konflikten, lassen uns in die Abgründe menschlicher Beziehungen blicken und legen soziale Konventionen offen. Die Enttäuschung über nicht eingelöste Erwartungen verhandelt etwa der Film „Eight“ von Hubbard/Birchler, in dem ein kleines Mädchen erlebt, wie ihre sorgfältig geplante Geburtstagsparty buchstäblich ins Wasser fällt. Zehn Jahre später haben die Künstler einen neuen Film mit der Protagonistin an der Schwelle zum Erwachsenwerden gedreht: In „Eighteen“ sehen wir, welche Herausforderung es für das Mädchen darstellt, nach dem Verlassen des behüteten Elternhauses ihre Rolle neu zu finden.

Gefestigte Strukturen können aber auch als starr, kalt und emotionslos empfunden werden, wie es Matthias Müller in seinem Film „Alpsee“ zeigt. Destruktive Eltern-Kind-Beziehungen thematisieren Patricia Pearson und Veronika Veit in ihren Filmen. Eine Dia-Projektion von Lorenz Straßl zeigt menschenleere Räume, in denen die Bewohner rätselhafte Spuren hinterlassen haben. Das Zuhause ist hier kein bewohnbarer Ort mehr, sondern ein Spiegel persönlicher Befindlichkeiten.

 
noch bis 8. Januar 2017
Haus der Kunst (Prinzregentenstraße 1)
Do: 10 – 22 Uhr, Fr – So: 10 – 20 Uhr
Eintritt: 14€ (ermäßigt 12€)

 
Foto: Zilla Leutenegger, Der unendliche Raum (The infinite Room), 2006, Courtesy Sammlung Goetz, Medienkunst, München