KonterKunst: Das KloHäuschen

10.02.2013 · Kultur
Ramona Drosner


Mädchen sind wie Pizza. Heiß und online bestellbar. Aber nicht der Genuss steht hier an erster Stelle, sondern das bloße Verlangen. Shari Pierce taucht das KloHäuschen Tag und Nacht in rotes Neon-Licht. Die Tür ist mit einem halbgeöffneten Rollo verdeckt, die Wand dahinter mit Fotos von nackter Haut tapeziert.

Shari Pierce fühlt mit „Open 24 Hours“ dem Zahn der Zeit aufs bloße Fleisch. Sie thematisiert Gewalt gegen Frauen, erzählt mit Bildern die Geschichten von vermissten Mädchen und von Frauen, die rund um die Uhr online verliehen werden. Deren Leben von gestörter Triebgesteuertheit zerstört wird. Man muss sich die Nase an der kalten Fensterscheibe platt drücken, um genau erkennen zu können, was von dem schummrig roten Licht in Szene gesetzt wird. Durch die engen Spaltöffnungen des Rollos sieht man sie dann: nackte Hintern, Dekolletés und mehr.
Shari Pierce schafft es damit ein kleines bisschen mehr Licht ins dunkle Tabu zu bringen.

„Open 24 Hours“ – Der Name ist Programm. Das unscheinbare KloHäuschen liegt direkt neben der Großmarkthalle. Mit Kunst wird der verlassenen Sanitäranlage etwas mehr Leben eingehaucht. Die Toilettentür ist fest verschlossen, die Kunst darin aber Tag und Nacht dem Blick der Passanten frei gegeben.

„Open 24 Hours“
Shari Pierce

Das KloHäuschen
Thalkirchner Str. 81

bis 6.März
rund um die Uhr

(Bilder © Ramona Drosner for twoinarow.com)


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