„Touch Deeper“ in der Lothringer13



Die kürzlich eröffenete Ausstellung „Touch Deeper“ der Lothringer13 Halle bringt Gegenwart und eine mögliche Zukunft treffend in der ausgestellten Kunst zum Sprechen. Es geht um die Dinge, die unter dem Namen smarte Objekte langsam aber sicher Einzug in unser Zuhause halten. Digitale Technologien und autonomes Fahren, Wearables und vernetzte Wohnungen sind hier Stichworte. Wie ändern sich Objekte, mit denen wir uns umgeben, und wie verändern sie uns?

„Touch deeper“ geht diesen Fragen mit Werken von Designern und Künstlern nach, die nicht allein neue technische Möglichkeiten, sondern ganz analoge Bedürfnisse in einer sich wandelnden Lebensumgebung beleuchten. Sie schaffen alternative Perspektiven auf die vielbeschworene Effizienz und Intelligenz der Dinge und untersuchen, wie wir mit der wachsenden Zahl an digitalen Hilfsmitteln leben wollen. Es werden Ausblicke in eine nahe Zukunft formuliert, in der alles um uns herum, und wir selbst, zur Schnittstelle einer digital erweiterten Realität werden. Dabei wird deutlich, dass das Wirkungsfeld des Designs über die funktionale und formale Ausgestaltung von vermarktbaren Produkten hinausreicht. Wie von Dunne & Raby im Buch „Design Noir“ beschrieben, zeigt sich, dass Design in der Auseinandersetzung und Reibung mit Szenarien gegenwärtiger und zukünftiger Lebenswelten ein „kompliziertes Vergnügen“ bereiten kann. Ihr „Faraday Chair“ wirft Fragen auf, anstatt bequeme Lösungen anzubieten. Keiichi Matsudas „Hyper-Reality“ lässt uns euphorisch in eine von Informationen und Eindrücken gesättigte Welt eintauchen – nicht ohne uns daraus mit dem Verlangen zurückkehren zu lassen, an einigen Stellschrauben dieser Entwicklung drehen zu können.

Jene Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt, die in den Versprechen des oft zum Selbstzweck gewordenen Fortschritts wenig Beachtung finden. Auf ganz unterschiedliche Weise machen Unknown Fields Division, Thomas Thwaites oder Julien Prévieux sichtbar, welche tiefgreifenden sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen allgegenwärtige elektronische Geräte schon heute haben.
Mit prototypischen Entwürfen eröffnen sich neue Perspektiven auf eine digital bereicherte Zukunft, in der das Zusammenspiel von technischen Möglichkeiten und menschlichen Bedürfnissen neu kalibriert wird. Eine besondere Gelegenheit im Rahmen der Ausstellung bietet eine Installation von BLESS namens „Worker´s Delight“, die einen Teil der Lothringer13 Halle in einen experimentellen, für alle Besucher nutzbaren Arbeitsort verwandelt.

 
noch bis 12.02.2017
Lothringerstr. 13
Di-So: 11:00-20:00 Uhr
Eintritt frei

 
Fotos: Keichii Matsuda, Toby Smith/Unknown Fields, Julien Previeux