Flamingogang (Le Flash Cabaret) Interview und Geschichten

01.05.2012 · Interview, Party · 1 Kommentar
Moritz Butschek

Die Flamingogang treibt schon lange ihr Unwesen in den Münchner Clubs. Aktuell begeistern die vier Mitglieder mit ihren Le Flash Cabaret Partys im Kong und schaffen mit ihren kreativen Dekorationen und guter Laune erinnerungswürdige Abende, die schnell in aller Munde sind. Wir haben der Gang in einem Interview ein paar Fragen gestellt und erstaunliche Geschichten erzählt bekommen.

Wie habt ihr zusammengefunden und kamt auf die Idee ein Dj- und Kreativteam zu bilden?
Das ist die Geschichte, auf die wir uns geeinigt haben: „Es fing alles vor ziemlich genau zehn Jahren mit einem positiv gestimmten Freestylecypher im Sperrengeschoss des Münchner Königsplatzes an.
Die beiden Rapper Stefan Brisée und Tobias Zettl scheiterten zwar daran, zu einer festen Größe im Deutschrap Business aufzusteigen, blieben sich jedoch freundschaftlich verbunden und wurden sechs Jahre später beide Barkeeper im gleichen Laden.
Dort wurde eine, nicht aus dem Münchner Nachtleben wegzudenkende Person, wir nennen sie einfach mal Hans, auf die beiden aufmerksam. Da diese Person Betreiber einiger Spelunken und Großspielhallen war, hatte er eine Idee…
Er machte den beiden ein Angebot, dass sie unmöglich ablehnen konnten.
Sie holten noch zwei dazu: Andre Meier, einen junger Visionär, dem die unzähligen Irrwege dieser Stadt vertraut sind wie keinem anderen und die genauso reizend wie talentierte Lili Ruge, die am schnellsten von allen in ihrer Rolle als female Dj aufleben sollte.
So entstand ihre erste Veranstaltungsreihe namens „Coop“ im ehem. Zerwirk und gleichzeitig die Gäng.“

Wo und wann war euer erster Auftritt?
Aufgelegt haben wir zum ersten Mal im K&K. Dort war damals dienstags nie ein Dj gebucht und wir haben eines Nachts einfach angefangen die leere Dj-Ecke zu entern. Wir waren dann eigentlich immer dort und haben Platten gespielt und irgendwann hatten sich wohl alle damit abgefunden, dass die Dienstage mitunter ziemlich ausarteten (Exzesse, Knochenbrüche, Schwangerschaften).
Unsere erste eigene Veranstaltung „Coop“ hatten wir im damaligen Zerwirk, jeden Donnerstag gab es dort Illusionen, Musikkapellen, Magie und Dosenbier umsonst.

… und welcher Abend ist euch bisher am positivsten in Erinnerung geblieben?
Hmm, das ist schwierig. Wir müssen uns entscheiden zwischen dem Abend, an dem Mirko Hektor, der gerade in seiner „concrete hell phase“ war, zu einer unserer ersten Le Flash Cabaret Abende Dj gebucht war. Er stieg mit einer Champagnerflasche aus dem Taxi, beschimpfte jede Frau als Nutte, ließ den Korken auf der Tanzfläche knallen, damit alle Anwesenden im Umkreis von einigen Metern seiner Anwesenheit gewahr wurden und ihm dann einem der Gäste, mit der feucht-prickelnden Faust wütend in die betäubte Fresse schlug.

Er merkte es nicht einmal…

Oder als wir als Dj’s in die Bar Femina gebucht waren und der Besitzer Tobi aus dem Stripclub warf, weil er an der Stange tanzte und ausversehen 9 Longdrinks umgestoßen hatte. Davor hatten wir seine Tänzerinnen, auf die alle seit Stunden gewartet hatten, mit zu technoider Musik und anspruchsvollen, spontanen Genrewechseln von der Bühne verscheucht. Wir hatten ihren musikalischen Geschmack etwas überschätzt.

Nein, also wir könnten uns nicht entscheiden, da gab es zu viele, zu gute Momente, z.B. als wir bei Le Flash Cabaret eine Gruppe minderjähriger Punks gebucht hatten, die eine „Feuershow“ machen wollten, also todesbesoffen Tankstellenbenzin auf der elli Disco Terrasse gespuckt haben.

Wir sind insgesamt ziemlich oft irgendwo rausgeflogen, halbnackt, ohne Gage mit zerfickten Platten.
Eigentlich gibt es bei jedem unserer Feste diesen einen Moment, wo das Fass irgendwie überläuft, den einen Moment an den man sich am nächsten Morgen erinnert und froh ist, dass man ihn erlebt hat, weil er so gar nicht normal war.
Darum geht es uns ja bei der ganzen Sache: Einen Raum zu schaffen, der einen größtmöglichen Handlungsspielraum eröffnet und in dem dann eben irre schöne oder vielleicht auch einfach nur krasse Dinge passieren können.

Unter anderem das Arche Projekt oder auch die Styropor-Wohnung im Kong haben schnell die Runde gedreht und sind allen anwesenden in Erinnerung geblieben.

Wie kamt ihr auf diese Ideen?
Die Arche entstand zur Wiesnzeit, Tobi verdiente dort etwas Geld, indem er das alte Käferhaus auf der Theresienwiese aufbaute. Dort war viel schönes altes Holz übrig, was uns recht gelegen kam.
Mit dem Holz haben wir dann für Le Flash Cabaret ein riesiges Schiff um das Dj Pult im Kong herum gebaut. Ursprünglich hatten wir es nur für eine Veranstaltung dort hingestellt, aber es kam so gut an, dass aus der Arche schnell das Arche Projekt wurde, an dem wir 3 Wochen weiter bauten…
Die Wohnung aus Styropor haben wir für eine andere Le Flash Cabaret Veranstaltung ins Kong gebaut. Es gab ein Wohnzimmer, eine Küche, ein Bad, alles aus Styropor.
Wir hatten gehofft, dass unsere Gäste irgendwann anfangen würden, die Wohnung mit uns gemeinsam zu demontieren und der Plan ist auch ziemlich gut aufgegangen. Durch das ganze zerkleinerte Styropor sah es im Kong plötzlich so aus, als hätte es drinnen geschneit, wir standen alle knöcheltief in diesen kleinen weißen Kügelchen.
Es hat dann auch zwei volle Tage gebraucht, bis wir alles aufgeräumt hatten, aber das war es wert.

Die Idee hinter dem Ganzen ist ja, dass wir eigentlich genau die Parties machen wollen, auf die wir selbst unglaublich geflasht wären, wenn wir als Gäste kämen.
Rock´nRoll, Irrsinn, Adrenalin in den Drinks.
Die Leute, die zu uns kommen sollen Teil einer Performance sein, mit uns Wohnungen zertrümmern, imaginäre Weltmeere besegeln, Tanzen bis mittags. Es geht um Partizipation und Prozesshaftigkeit. Drei Stunden später schaut der Laden komplett anders aus, meistens zerrockt.


Live Mitschnitt eines Flamingogang Sets im April

Was erwartet uns generell bei einem eurer Abende im Kong?
Das mindestens einer dabei ist, der sagt: „Das war die beste Party meines Lebens!“
Und einer der sagt: „Was für Spastis!“

Welche Künstler zählen derzeit zu euren Favoriten?
Vor allem die Leute mit denen wir die Nächte gemeinsam verbrachten: Benni Goldstein, Columbus, Ebow, Gef, Günther Lause, Kofelgschroa, Manual Kant, Mirko Hecktor, Nabil & Band, New And For Sale, Teichwasser, Tupac, Utopie 2000, Veli

Auf was dürfen wir uns als nächsten von euch freuen?
Das nächste Le Flash Cabaret ist am 12.5. im Kong. (Veranstaltung auf Facebook) Wir werden einen Dschungel aufbauen und die ganze Nacht Funky Deep House Dub spielen um die Paradiesvögel zu übertönen.

Le Flash Cabaret auf Facebook
 


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