Kulturstarts: You are out there, Flow of Forms



Die Woche vom 30.01. – 05.02.2017.

Jede Woche stellen wir die besten neu startenden Kulturveranstaltungen in München vor, ob Ausstellungen, Theatervorführungen, Screenings, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Konferenzen oder Festivals.

 

Freitag/Samstag:

Längst ist das Internet der Ort, an dem man uns als erstes begegnet. Wir alle erschaffen ständig neue digitale Profile und Avatare, lassen Domains, User IDs und Passwörter unter den originellsten Namen registrieren. In jeglicher Hinsicht gilt: unsere Doubles sind da draußen und sie sind aktiv.
In der Performance „You are out there“ konfrontiert das Multimedia- und Digital Arts-Ensemble Doublelucky Productions um Chris Kondek und Christiane Kühl unsere omnipräsenten Selbstbildnisse mit dem stetig wachsenden Vermögen von Industrie und Bürokratie, die digitalen Doubles für ihre Zwecke arbeiten zu lassen. Dank dieser Fülle an virtuellen Profilen ist unsere Identifizierbarkeit so umfassend wie nie gewährleistet. Längst kooperieren die digitalen Selbstbilder aus den Sozialen Medien mit denen des Sicherheitsstaates und gewinnen mehr und mehr Kontrolle über unser physisches Sein. Die Doubles werden zu Doppelgängern, die ihre eigene Agenda verfolgen. „You are out there“ entwirft eine Welt, in der unsere Selfies zu Ausweisen und bisweilen wichtiger werden als die Personen, die sie repräsentieren. So sind es auch die Doppelgänger des Publikums, die zu Komplizen einer multimedialen Geistergeschichte werden, um mit Hilfe experimenteller IT-Technologie den Spielraum für Identitätsmanipulationen dies- und jenseits der Legalitätsgrenzen neu auszuloten.

03./04.02.17, 20:00 Uhr
Münchner Kammerspiele
Eintritt: 15€

 

Ab Freitag:

Im Zentrum der Ausstellung „Flow of Forms/Forms of Flow“ stehen Gestaltung und Designpraxen in Afrika. Formfindungen (Forms) werden als Resultate eines wechselseitigen Austausches zwischen Afrika und Europa, aber auch zwischen alltäglichen und älteren gestalterischen Grundlagen (Flows) betrachtet. Damit schließt die Ausstellung an den Global Turn in den Kunst- und Designwissenschaften an: Designgeschichten global zu verorten bedeutet einerseits von Gestaltung als einer überall anzutreffenden Praxis auszugehen, andererseits verbindet sich damit auch eine kritische Haltung gegenüber dem eurozentristischen Blick, der oftmals bis heute von simplen Dichotomien von traditionell – modern, handwerklich – industriell, formell – informell geprägt ist. Anstelle einer einseitig (westlich) geschriebenen Designgeschichte entstehen somit vielfältige Designgeschichten. Diesen komplexen Verflechtungen in historischer Perspektive, aber auch mit Blick auf Gegenwart und mögliche Zukünfte, geht Flow of Forms/Forms of Flow in insgesamt fünf Themenfeldern (Stationen) und an vier Ausstellungsorten nach.

03.02.-13.02.17, Mi-So: 14:00-19:00 Uhr
Kunstraum, Holzstraße 10
Eintritt: frei

 

Fotos (von oben nach unten): Münchner Kammerspiele, Kassena Collection (Vatic)