Eindrücke der Ausstellung „Geniale Dilletanten“ im Haus der Kunst

28.08.2015 · Archiv, Kultur
Moritz Butschek

Die Einstürzenden Neubauten, Palais Schaumburg oder die tödliche Doris hätten in ihrer Hochphase wohl nicht erwartet nur wenige Jahrzehnte später in den Hallen eines Museums präsentiert zu werden. So geschehen in der aktuellen Wanderausstellung „Geniale Dilletanten – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland“, die vom Goetheinstitut und den Kuratoren Mathilde Weh und Ulrich Wilmes organisiert wurde. Speziell für das Haus der Kunst in München wurde der Inhalt um einiges erweitert und ist noch bis zum 11.10.2015 zu sehen.

Thematisch fängt die Ausstellung das Lebensgefühl junger Menschen Anfang der 80er-Jahre ein, die sich einer im Inneren festgefahrenen Gesellschaft konfrontiert sahen, die sich trotz 68er-Bewegung an Relikte vergangener Zeiten klammerte. Die Subkulturen der 1980er-Jahre wollten sich dem entgegenstellen und etwas gänzlich Neues erschaffen, was sich jeglicher Konvention entzog. Die neuen Regeln, die sie für die Kunst und die Musik aufstellten waren einzig, dass es keine Regeln mehr gab. Frei nach Joseph Beuys kann jeder ein Künstler sein, ungeachtet seiner Vorbildung oder seiner Ressourcen.
Bands wie die bereits angesprochenen Einstürzenden Neubauten, Palais Schaumburg oder Freiwillige Selbstkontrolle lebten die neue Freiheit in ihrer Musik aus indem sie sich weder um harmonische Melodien noch um klassische Instrumente oder den Anspruch diese perfekt zu beherrschen kümmerten. Diese rebellische Grundhaltung, die sich bald auf andere Felder wie der bildenden Kunst, Film, Lyrik oder Mode ausweitete, kann gemeinhin als „Genialer Dilettantismus“ bezeichnet werden, da es doch gerade die fehlende Professionalität war, die den Reiz an der neuen Bewegung ausmachte.

Wie es so oft läuft, dauerte auch diese Phase der Aufbruchsstimmung nicht lange an und fand sein Ende als die großen Plattenfirmen die Subkulturen für sich entdeckten. Die Kommerzialisierung und das Ankommen in den massenmedialen Angeboten im Fernsehen und in Zeitschriften unter dem Begriff der Neuen Deutschen Welle, stellten eine Einkehr in die anfangs so vehement abgelehnten Strukturen des Kulturbetriebs dar.
Die damit abgeschlossene experimentelle Phase in der kurzen Zeitspanne um den Anfang der 80er-Jahre herum, versucht die Ausstellung „Geniale Dilletanten“ nun noch einmal heraufzubeschwören. Als Namensgeber diente übrigens das ebenfalls absichtlich falsch buchstabierte „Festival der Genialen Dilletanten“, das 1981 im Berliner Tempodrom stattfand.

Gleich im Eingangsbereich gibt es einen Dokumentarfilm zu sehen, in dem Protagonisten und Beobachter der damaligen Subkulturen wie Blixa Bargeld, Mark Chung, Schorsch Kamerun oder der Autor und Journalist Diederich Diederichsen ihre Eindrücke schildern. Über eine von Schwarz-Weiß-Fotografien gesäumte Treppe geht es weiter in den ersten Stock, wo in zwei Räumen die wesentlichen Akteure in Kunst und Musik auftreten. Bands wie die Deutsch Amerikanische Freundschaft, Der Plan, Die tödliche Doris, Palais Schaumburg, Freiwillige Selbstkontrolle, Ornament und Verbrechen und natürlich wieder die Einstürzenden Neubauten werden mit einer eigenen Wand und einer Videoinstallation ihrer Auftritte gewürdigt. Zudem gibt es die Möglichkeiten sich durch ganze Platten von ihnen zu hören. Die ebenfalls um 1980 entstandenen Bilder der sogenannten „Neuen Wilden“, die ihre Gedanken schnell und intuitiv auf die Leinwände brachten, stammen von Martin Kippenberger, Jörg Immendorff, Markus Oehlen, Walter Dahn und vielen weiteren, die in dieser Zeit nebenher oft auch selbst als Musiker aktiv waren.
Darüber hinaus haben die Kuratoren noch einige zusätzliche Veranstaltungen zu der Ausstellung organisiert, unter anderem Podiumsdiskussionen, Workshops und zum Abschluss ein Doppelkonzert der Goldenen Zitronen und Ornament und Verbrechen am 08.10.2015.


 


 


 

Eintritt: 12 € (ermäßigt: 10 €)


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