KonterKunst: Subkultur

02.06.2013 · Archiv, Kultur
Ramona Drosner

Neben der berühmten Sünde wird der Schmerz in einem Tattoostudio gefilmt, direkt über dem blank polierten Parkett werden kalte Toilettenkacheln zur Showbühne: Martin Brand spielt im Atelier der Villa Stuck mit Gegensätzen und bringt den mondänen Räumen die heutige Subkultur näher.

Der Videokünstler Martin Brand kritisiert auf seinen großformatigen Projektionen die gesellschaftlich-soziale Realität in Deutschland. Seine Kamera nähert sich Punks, Gothics, Hooligans oder einer Metaldeath-Band und rückt ihre Gesichter in ein neues Licht. Der Film eines Punker-Päärchen wird in Zeitlupe abgespielt, ganz sanft streichelt sie seinen Arm. An seinen Hals schmiegen sich schwere Ketten als wäre es kostbarer Pelz. In einem anderen Projekt fordert Brand männliche Teenies auf zwei Minuten in die Kamera zu schauen: Ganz langsam öffnet sich der Schleier ihrer Coolness und offenbart Verunsicherung und Schwäche.

„Rebel, Rebel“ ist das aktuellste Kunstprojekt Martin Brands. Angelehnt an den gleichnamigen Song David Bowies, porträtiert er den jungen Metal-Death-Musiker David Beule. Er filmt Beules Schmerz im Tattoostudio, seine Scream-Übungen auf der Toilette, seine Auftritte. Das Besondere an der Videarbeit: eine Breitbandleinwand durchzieht das Künstleratelier Franz von Stucks. Die Selbstinszenierung Beules steht so in krassem Gegensatz zu Stucks Künstlerfürsten-Image.

Direkt hinter mir betritt ein Ehepaar Mitte 50 das Atelier, fühlt sich provoziert und fängt lauthals über die „Verschandelung“ des berühmten Zimmers zu granteln. Nicht nur in der Konzerthalle, im Fußballstadion oder am Bahnhof stoßen diese Nischengruppen auf Abscheu, Intoleranz und Unverständnis: Heute werden die jungen Exzentriker auch im Museum vom Spießer-Bürgertum angekreidet.


(Bilder © Ramona Drosner for twoinarow.com)

RICOCHET #6
Martin Brand

Villa Stuck

noch bis 7.Juli
Di – So, 11 – 18h / 1. Fr im Monat bis 22h
Eintritt 9 € / erm. 4,50 €


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