Das Musiker-Duo Jim Fletch im Interview

07.08.2012 · Interview, Musik
Moritz Butschek


Jim Fletch heißt die Band von Tim und Selly, die sich vor 10 Jahren in Australien kennen lernten, um sich dann viel später in München wiederzufinden um gemeinsam Musik zu machen. Man kann es einen glücklichen Zufall nennen, dass sich die beiden nicht aus den Augen verloren haben, denn Tims elektronisch-akustische Musik ergänzt sich bestens mit Sellys Stimme.
Das zeigt sich immer wieder bei ihren Konzerten, die aus einer Mischung zwischen Live-Band und Live-DJ Set bestehen und die Aussagekraft ihrer Songs am besten rüberbringen.
Wir hatten sie im Gespräch über Entstehung, Inspirationsquellen und zukünftige Projekte von Jim Fletch.

Wie seid ihr zum Musik machen und speziell zu euerem ganz eigenen „Electro Acoustic Pop“-Sound gekommen?

Tim: Puh, das ist eine Geschichte die eigentlich schon sehr weit zurückgeht, auch wenn sie damals noch nicht zwingendermaßen mit Musik zu tun hatte. Zumindest nicht mit eigener Musik.

Selly: Das stimmt. Wir haben uns vor 10 Jahren auf einer Australien-Reise kennengelernt, dort zwar bestimmt das ein oder andere Mal gemeinsam Musik gehört, aber auf gar keinen Fall gemeinsam Musik gemacht. Nichts lag uns zu diesem Zeitpunkt ferner als das. Danach verloren wir uns erstmal aus den Augen. Und nachdem jeder so seine eignen Wege gegangen war, stand Tim dann eines Tages völlig unerwartet vor meiner Tür. Einfach so. Fast schon ein wenig dreist.

Tim: Genau! Und ich hab gesagt: Ey, Bock mit mir Musik zu machen? Selly war zwar zu dem Zeitpunkt begeisterte Duschhaubensängerin, aber weit entfernt von irgendeiner Form von musikalischer Professionalität…

Selly: Das stimmt. Naja, aber ich hatte viele gute Erinnerungen an unsere Zeit in Australien und dachte mir: ja, warum eigentlich nicht? Tim war zu diesem Zeitpunkt bereits Mann vom Fach, weil er schon seit dem siebten Lebensjahr Musik macht.

Tim: Jo! Und der fand dann raus: Die Frau hat ’ne ganz geile Stimme. Und ich hab ein bisschen Ahnung von Musik. Und seitdem stand fest. Ich mach die Mucke, Selly singt.

Selly: So war es. Wir machen jetzt bestimmt schon über 2 Jahre zusammen Musik und haben einfach festgestellt: Das passt sehr gut. Wir haben insbesondere am Anfang viel ausprobiert und rumexperimentiert und natürlich auch so manches in Omas alten Schubladen verstaut. Aber naja, im Prinzip war es eine stetige gemeinsame Entwicklung. Wir hören viel elektronische Musik und gehen auch gerne in der Szene aus, dadurch ziehen wir natürlich einen Hauptteil unserer Inspiration, das ist ganz klar. Ich denke was uns dahingehend ein wenig vom Rest unterscheidet ist, dass wir versuchen, einen nicht künstlich klingenden Sound zu erschaffen. Wir nehmen Alltagsgeräusche und verschiedene Instrumente auf und bearbeiten sie.

Tim: Und das Ganze in Verbindung mit ein paar elektronischen Klängen und Sellys außergewöhnlicher Stimme ergibt Jim Fletch. Unser Sound ist wie ein Rezept. Immer auf der Suche nach guten Zutaten um das beste Gericht zu kreieren.

Selly: Ein italienische Mama würde sagen: Immer auf der Suche nach der perfekten Carbonara!

Woher bezieht ihr Inspiration und Ideen für neue Songs?

Selly: Inspiration findet im Prinzip immer und überall statt und lässt sich nicht in bestimmte Bereiche kategorisieren. Bei uns spielt alles, was uns beispielsweise im Alltag umgibt, eine wichtige Rolle. Sei es das Geräusch einer Tür, die sich schließt oder der Bach an dem man sitzt. Wir legen viel Wert auf haptische Sounds, die eine Seele mit sich tragen und gehen gerne raus in die Natur, zum Wandern, Snowboarden oder Wellenreiten. Durch die unterschiedlichen Eindrücke und Kontraste zwischen Natur und Großstadt kommen oft spontane Ideen zu Melodien und Texten, die einem dann so lange im Kopf herumschwirren, bis man bereit ist, sie aufzunehmen und weiter zu verarbeiten.

Tim: Zum Beispiel basteln wir gerade an einem Track, der das Geräusch des Boardwaxens beinhaltet. Bevor man ein Surfboard zum Wellenreiten benutzen kann, muss man es einwachsen. Das Geräusch welches dabei entsteht ist nun ein grundliegender Teil des Beats.

Euer Auftritt in der Roten Sonne war ein großer Erfolg. An was erinnert ihr euch dabei am liebsten zurück?

Selly: Der Gig in der Roten Sonne war der Wahnsinn! Wir waren im Vorfeld natürlich furchtbar aufgeregt und haben uns vorher wochenlang die Nächte mit Proben um die Ohren geschlagen. Und dann war es soweit, wir standen plötzlich in der Roten Sonne. Auf der Bühne. Ich erinnere mich noch genau an einen Moment. Es war glaube ich nach dem zweiten Lied. Auf einmal war die Aufregung weg. Ich sah wie es Tim genauso ging. Wir schauten uns an und verloren uns einfach in unserer Musik. Ohne Zweifel, ohne Bedenken, einfach mit Spaß und Emotionen. Das war unglaublich.

Was sind eure liebsten Orte in und um München?

Selly: Vorneweg: In München gibt es einige „geheime“ Lieblingsplätze ein wenig außerhalb von München Richtung Berge. Orte an denen man meint mitten in Kanada zu stehen. Das ist überwältigend und einzigartig. Aber was München darüber hinaus für uns so besonders macht, ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Da gibt es das Grüne, die Natur. Und da gibt es die Szene. Eine Form der Subkultur, auch wenn manche ja gerne mal behaupten, dass es sowas in München nicht gibt. Aber klar, sowas haben wir, man muss sich nur das aktuelle Angebot anschauen! Die Szene ist groß, die Kultur ebenfalls, und sie wachsen mit jedem Tag ein bisschen mehr. Das macht diese Stadt so besonders und hebt sie von den anderen ab. Die Natur und das Vergnügen. Quasi die Ruhe und der Sturm.

Tim: Man kann das mit einem Beispiel so erklären: Nach einer durchfeierten Nacht in der Roten Sonne an einem Sonntagnachmittag die Freunde an der Isar zum Grillen treffen, auf dem Weg nach Hause an der Floßlände noch ein paar Stunden surfen gehen und Abends gemütlich im Hey Luigi ein Bierchen trinken. Mal im Ernst: Sowas gibt es nicht überall. Sowas gibt es halt nur in München.

Wie geht es zukünftig mit Jim Fletch weiter?

Tim: Wir arbeiten gerade an neuen Songs, in denen wir hauptsächlich Ideen aus unserem letzten Surfurlaub in Frankreich verarbeiten. Wir wollen, dass die Leute unsere Musik, unsere Vorstellung und Idee von Kunst und dem, was wir damit ausdrücken wollen, hören und es natürlich weitererzählen. Unser großer Traum ist es, möglichst vielen Menschen mit unserer Musik Gänsehaut zu bereiten. Denn mal im Ernst: Gibt es irgendetwas Schöneres als den Moment, in dem einen Musik die größte Gänsehaut beschert?
Hmmm….naja….vielleicht schon! Aber erstmal sagen wir: Nein
 


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